Erste Schritte in eine neue Richtung

In der letzten Zeit schlich sich, hinterlistig wie eine Schlange, Langeweile bei mir ein. Fototechnisch gesehen, natürlich. Nichts insprierte mich, nichts motivierte mich. Architektur,  Stilleben, City, Natur – alles fühlte sich an wie die Wiederholung einer Wiederholung einer Wiederholung.

Wenn man den Anfängerstatus hinter sich gebracht und alles unter die Lupe, pardon, Linse, genommen hat – oder zumindest glaubt, alles vor der Linse gehabt zu haben – beginnt man, sich zu spezialisieren. Das behaupte ich jetzt einfach mal. Sicher sind gewisse Vorlieben von Anfang an da. Aber erst mal gilt es, Grundwissen anzuhäufen.

Was ich schon immer spannend fand, ist Street-Fotografie. Und wenn ich nicht so verdammt feige wäre und nur ein bisschen von dieser Gelassenheit besäße, die gute Fotografen dieses Themengebietes einfach haben, hätte ich dieses Kapitel längst schon für mich aufgeschlagen. Aber allein der Gedanke, dass ein Unbeteiligter sehen könnte, wie ich mein Objektiv in die Richtung einer fremden Person lenke, schüchtert mich ein.

Es gibt also zwei Möglichkeiten: weiterhin Gelegenheit für Gelegenheit verpassen und frustriert Bildern nachheulen, die ich nicht gemacht habe, oder die Scheu überwinden und mir die Frechheit – im positiven Sinne – jener Fotografen aneignen, mit denen sie die Spezies Mensch so souverän in Szene setzen.

Gestern machte ich mich samt Kamera auf den Weg zum Hauptbahnhof…

Mein erstes ‚Opfer’…

Nicht wirklich, wonach ich gesucht habe, aber auch das ist Teil des Bahnofslebens…

Hier war wohl jemand seeehr erschöpft… Ungeachtet des Trubels um sie herum und der unbequemen Haltung schlief dieses Mädchen ungestört auf ihrem Koffer den Schlaf der Gerechten. Sie hätte es nicht einmal bemerkt, wenn ich sie von vorne fotografiert hätte. Aber das schien mir zum einen dann doch unangemessen. Außerdem hätte ich dann auf die Spiegelung verzichten müssen 😉

Hier konnte ich mich nicht zwischen farbig und schwarz/weiß entscheiden…

Dieser junge Mann hat mich beeindruckt! Offensichtlich mittel-, und heimatlos suchte er die Container nach Pfandflaschen ab. Wie so viele Menschen dieser Tage. Statt das Brötchen aber selbst zu essen, fütterte er lieber die Tauben damit…

Diese Aufnahme ließ mein Street-Fotografinnen-Anfänger-Herz höher schlagen 🙂

Ich gehe davon aus, dass das Lächeln dieses alten Mannes nicht mir gegolten hat, sondern eher Ausdruck der Erleichterung war, da hinter mir gerade die Bahn einfuhr 😉

Ich habe es bisher abgelehnt, Menschen frontal zu fotografieren, hat es doch einen Hauch von Paparazzi, und Paparazzi sind für mich ein dunkelrotes Tuch. Möchte ich aber weiterhin auf den Spuren der Street-Fotografie wandeln, muss ich umdenken. Hilfreich dabei ist die Tatsache, dass Paparazzi jedweden Respekt vermissen lassen und sich keinen Deut um Menschenwürde scheren. So möchte ich nicht durch die Welt gehen. Ich hoffe, dass meine ersten Gehversuche in diese Richtung dieses Ansinnen erkennen lassen.

PS: Ein Impressum ist in Arbeit, um auch das Rechtliche abzudecken…

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~ von PeM - 4. September 2012.

26 Antworten to “Erste Schritte in eine neue Richtung”

  1. Die Bilder sind dir sehr gut gelungen, du scheinst wirklich Talent für solche Aufnahmen zu haben. Nach dem „Rechtlichen“ wollte ich gerade fragen.
    Oder hast du jede einzelne Person gefragt, ob du sie veröffentlichen darfst? Ich traue mich das nicht 😦

    • Herzlichen Dank für das schöne Kompliment, Ute! *freu*

      Nein, natürlich habe ich nicht gefragt. Würde man das immer tun, wäre der Zauber des Augenblicks verschwunden. Das rechtfertigt natürlich nicht, nicht zu fragen.
      Ich glaube, auf keinem anderen Themengebiet in der Fotografie ist die Grauzone so groß wie in der Street-Fotografie. Ein Rest schlechtes Gewissen ist irgendwie immer dabei, auch wenn ich mich bemühe, die Personen nicht zu brüskieren…

  2. Also ich hab immer gehört, bei mehr als fünf Personen auf einem Bild muss man nicht fragen, und es ist okay. Ich arbeite an Wochenenden für eine lokale Zeitung und muss am Laufenden Band Fotos von vielen Leuten, z.B. auf Events oder Märkten in Innenstädten, machen.

    Aber bei den Fotos mit weniger Leuten oder nur einer Person… Hm. Schwierige Sache. Würdest du die Leute fragen, wäre dieser ganze Zauber des unverfälschten Lebens weg. Wahrscheinlich kommt es ganz auf die Absicht an, die hinter solchen Fotos steckt und sie legitim/verboten macht.

    • „Also ich hab immer gehört, bei mehr als fünf Personen auf einem Bild muss man nicht fragen, und es ist okay.“

      So einfach ist das leider nicht. Stell Dir vor, Du hast’ne Gartenparty bei Dir zuhause laufen, 20 Gäste und mehr. Dann ist das privat und daher eine völlig andere Geschichte.

      „Ich arbeite an Wochenenden für eine lokale Zeitung und muss am Laufenden Band Fotos von vielen Leuten, z.B. auf Events oder Märkten in Innenstädten, machen.“

      Ja, bei öffentlichen Veranstaltungen/Plätzen, wo der Schwerpunkt auf dem jeweiligen Event liegt, ist das was anderes, das hab‘ ich letztes Jahr bei den Kölner Lichtern auch gemacht. Einfach mal so in die Menge reingeknpist, um zu zeigen, wie voll es da war. Aber einzelne Personen kann man sich auch da nicht wild und wahllos herauspicken 😉

      Es ist wirklich ’ne kitzlige Angelegenheit mit der Streetfotografie. Es kann das tollste und schönste Foto sein, das du je geschossen hast, aber wenn die darauf gezeigte Person das nicht will und gegebenenfalls die Anwälte auf dich hetzt, hast du keine Chance. Und ja, würde man in bestimmten Situationen fragen, wäre der ganze Zauber des unverfälschten Lebens weg.

  3. Ich trau mich auch nicht, weil ich unsicher bin, ob ich so einzelne Personen nicht fragen muss, wenn ich sie im Blog zeigen möchte….
    Schwierige Sache, deshalb bleibt die Kamera meist aus…
    LG Smilla

    • Generell muss, oder sollte man schon fragen, ob man fotografieren und die Bilder dann veröffentlichen darf. Aber ich schätze, die wenigsten Street-Fotografen tun das. Das ist natürlich kein Freibrief, aber ich denke, solange man die Würde eines Menschen nicht angreift, ist man zwar nicht auf der sicheren Seite, aber auf einer, die sich besser anfühlt 😉

  4. Hach ja, die Streetfotografie. Auch bei mir ein leidiges Kapitel. Ich würde es gerne mal aufschlagen aber… gleiches Problem wie bei dir: Ich trau mich nicht! Zugegebener Maßen, bin ich auch bei sonstiger Fotografie nicht immer so gelassen, wie ich mir wünschte oder vorgebe zu sein. Zwar zieh ich mein Ding trotzdem durch, leg mich in den Dreck, verbiege mich, laufe in Gummistiefeln und kurzer Hose durch die Straßen und in den See… aber na ja. Bei mir fährt dann trotzdem noch öfters Gedankenkarussel. Und dann wenns an die anderen Menschen geht erst recht! Was die sich denken, wenn ich die Kamera auf fremde Leute richte, ob sie sich genervt fühlen und so weiter. Aber für Streetfotografie dieser Art ist eine Nachfrage eben auch völlig fehl am Platz.

    Nur: Manche Streetfotografie da braucht man nachfragen. Zum Beispiel wenn ich von jemandem ein richtiges Portrait machen möchte. Ich finde wirklich, da gehört es sich zufragen. Also ging ih in Thailand eines Abends über den Nightbazaar, sah wie andere Leute dreist auf die Stände und Verkäufer drauf hielten, fand das unverschämt. Begnügte mich selbst mit Überblicksbildern die Straße runter während in mir der Kampf tobte, ob ich nicht jemanden fragen könnte. So stand ich dann plötzlich vor einem sympathisch aussehenden, dauerlächelndenKoch, legte mir Sätze zu Recht, wälzte sie in Unentschlossenheit und Schüchternheit. Tauschte Wörter. Suchte eine Gelegenheit ihn anzusprechen. Suchte eine Ausrede zum Flüchten. Fragte ihn dann schließlich doch und er war sehr nett und machte weiter mit seiner Arbeit. Genau das was ich wollte. Steilvorlage für ein perfektes, authentisches Portrait: Mann bei der Arbeit. Wirklich, genau das was ich wollte. Ich drückte zweimal ab und bekam keine richtige Komposition auf die Reihe. Versemmelte den Fokus. Aber jetzt da stehen und wie wild zu knipsen? Nein, das wäre peinlich. Ich dampfte also mit zwei schlechten Bildern ab und sagte mir, das erste Mal ist immer am schwersten, du fragst jetzt einfach wen anderes und machst ein richtig gutes Foto. Aber ich konnte mich eiiiinfach nicht mehr überwinden. Seufzs.

    Übrigens lag ich am Dubai Flughafen, völlig übermüdet genauso wie die Dame dort, auf meinem Koffer. Schlaf würde ich das nicht nennen, aber ich bin immer mal wieder weggedämmert. Und wie scheißegal mir in dem Moment war wie die Leute gucken. Trotzdem hoffe ich sehr, dass niemand die Kamera in meine Richtung gezückt hat 😀

    • Ja, bei der Streetfotografie ist es nie dasselbe, es kommt immer auf die Situation an. Manchmal ist es besser zu fragen, manchmal ist es der Zauber des Augenblicks, der zerstört wäre, wenn man fragt. Ich habe mal einen gar abenteuerlichen Report eines Street-Fotografen gelesen, der mich regelrecht entsetzt hat. Grundsätzlich ging es bei ihm darum, laufen zu können – und zwar schnell! Nicht mein Ding *lach*

      Portraits sind jetzt nicht so mein Ding, was nicht heißt, daß ich es gänzlich ablehne. Aber wie Du traue ich mich nicht zu fragen, und sollte das tatsächlich doch mal der Fall sein, weiß ich genau, dass ich fahrigerweise meinen ‚Job‘ erledigen würde, um nur schnell aus dieser für mich peinlichen Situation herauszukommen. Ich hätte nicht die Ruhe weg, dann gelassen an die Sache heranzugehen. Ob man das lernen kann? Vielleicht.

      „Trotzdem hoffe ich sehr, dass niemand die Kamera in meine Richtung gezückt hat“
      Och, solange Du nicht Deinen Koffer vollgesabbert hast, wäre es nicht das Schlimmste, oder? *lach*

  5. Ich bewundere Deinen Mut und finde, dass das ein richtig guter Auftakt ist für dieses Thema. Bei dem Bild mit den zwei Versionen, farbig und schwarz/weiß, könnte ich mich auch kaum entscheiden, sie gefallen mir beide sehr gut. Auch das Lächeln des älteren Herrn gefällt mir gut, er scheint schon genau in die Kamera zu kucken. Auch das Bild mit der wartenden, Musik hörenden Frau find ich sehr gut, „Warten auf den Zug“. Ich bin gespannt, was ich in Zukunft an „Streetphotography“ von Dir sehe. 🙂

    • Süße, ich hoffe, daß das mit dem Mut keine einmalige Sache war, aber wenn ich sehe, wie gut die Bilder hier ankommen, ist das natürlich Motivation pur 🙂
      Vielen Vielen Dank, Nelia!

  6. Liebe Petra,
    Ich mag die Art, wie du respektvoll durch die Linse schaust. Bild 4 ist mein absoluter Favorit, einfach schön! Freue mich auf weitere Fotos von dir!
    Sandra

  7. Diese Situation kommt mir sehr bekannt vor und ist noch immer bei mir vorhanden. Das haengt aber auch mit der Lebenssituation hier in Paraguay zusammen, wir wollen weg und fuehlen uns nicht wirklich wohl, aber das ist ein anderes Thema:-)
    Das was Du fotografisch festgehalten hast finde ich mehr als gelungen. Das Thema Bildrechte ist natuerlich gerade im Bereich Streetfotografie nicht ohne, aber das wuerde jetzt textlich zu weit fuehren:-) Ich denke Du weisst was Sache ist und entscheidest nach Gefuehl. In gewissen Situationen sollte man dann doch fragen ob es ok ist oder nicht, Bin aber selbst noch nicht in diese Situation gekommen, das hole ich dann in Deutschland nach 🙂

    saludos

    • Erst mal Herzlichen Dank, Ruediger! *freu*

      Ja, das Eis ist schon ziemlich dünn auf diesem Gebiet. Aber jedes Bild und jede Situation ist anders. Ich weiß selbst noch nicht, wo das hinführt, aber ich hoffe, nicht zu einem Blauen Auge und einer demolierten Kamera *lach*

      „In gewissen Situationen sollte man dann doch fragen ob es ok ist oder nicht“

      Da hast Du mit Sicherheit recht 😉

      Wann kommst Du denn nun endlich zurück nach Good Old Germany?

  8. die bilder 21 und 38 sind meine favoriten, wow, die sind dir wirklich toll gelungen!
    ich habs schon ein bisschen abgehakt, noch echt mit streetphotography und dem mut dafür warm zu werden – das bewundere ich lieber auf anderen blogs (:

    • Es kostet wirklich Überwindung, das kann ich Dir versichern! Ich hoffe ja, dass es im Laufe der Zeit leichter wird…

      Vielen Herzlichen Dank, paleica! 🙂

  9. Ich bin über einen Kommentar von dir bei „kwerfeldein“ auf deiner Seite gelandet. Spannend, was ich (zunächst über deine Versuche der Streetfotografie) gesehen und gelesen habe. Du solltest weitermachen 🙂 … finde ich. Sehenswert!
    Und wenn man sich überwindet, kommt man auch mit Menschen in Kontakt, denn Respekt vor dem „Motiv“ ist immer VOraussetzung für gelungene Aufnahmen.
    Freue mich, dich weiter zu „verfolgen“

    • Ich freue mich, Dich hier begrüßen zu dürfen und bedanke mich recht Herzlich für Dein Lob – Danke!

      Ich weiß nicht so recht, ob ich mit den Menschen, die ich fotografiere/fotografieren will, in Kontakt kommen möchte… Vorher wäre blöd, weil es dann eben kein ‚Schnappschuss‘ mehr ist. Hinterher hätte ich nichts dagegen, solange es in kein ewig langes Gespräch ausufert, aber das liegt ja immer auch an einem selbst… 😉
      Ich denke, das beste ist, es laufen zu lassen, Erfahrungen zu sammeln, und Dankbar mit ihnen umzugehen 😉

  10. Deine Eingangsworte sind geanau meine Gedankengänge, die ich jedesmal habe und mich bisher nicht haben abdrücken lassen. Deine Bilder beweisen das der „Mut“ sich definitiv lohnt.

    Und auch deine abschließenden Worte finde ich vollkommen richtig. Neulich am Landtagsparlament NRW saß/schlief auch ein Obdachloser, sichtlich fertig, auf einer Bank. Definitiv ein sehr reizendes Motiv. Ich tat es der asiatischen Touristin nicht gleich und ließ meine Kamera stecken. Denn irgendwo hört es auf.

    Liebe Grüße und ich freue mich auf mehr Streetart von dir

    Stefan

  11. Vielen, vielen Dank, Stefan, Dein Kommentar ehrt und motiv-iert mich zugleich *freu*

    Interessant, Deine Geschichte mit dem Obdachlosen, vor ca. einer Woche hatte ich dasselbe Erlebnis.

    Es ist sicher nicht immer leicht zu erkennen, wann nichts gegen einen Schnappschuss spricht und wann man die Kamera besser stecken lässt. Aber ich bin davon überzeugt, dass wenn man seinem Herzen folgt, man erkennt, wann ein mutmaßlich tolles Motiv zugunsten der Menschenwürde zu weichen hat. Dann ist man auf dem richtigen Weg, denke ich. Gebe Gott, dass ich niemals den falschen einschlage…

    PS: Asiatische Touristin? Klär mich bitte auf…

  12. Eine wunderschöne Reihe Menschen im Alltag, aus dem Leben, sehr ergreifend.

  13. Hallo, ich bin zufällig auf Deinem Blog gelandet und da mich das Thema Streetphotography schon seit einiger Zeit reizt, waren diese Bilder für mich natürlich besonders interessant. Deine Sichtweise gefällt mir und ähnelt meiner in mancher Hinsicht. Da ich Bedenken wegen teurer Abmahnungen habe, beschränke ich mich momentan noch darauf, Personen von hinten zu fotografieren bzw. Beine/Füße zu knipsen 😉 . Das ist auch vielfältiger, als zuerst gedacht.

    Herzlichen Gruß mit Kompliment! Alex

    • Erst mal Vielen Herzlichen Dank, Alex! *freu*

      Vor rechtlichen Konsequenzen habe ich auch Angst, das muss ich leider zugeben. Ich habe auch lange von hinten, oder zumindest so, dass man die abgelichteten Personen nicht erkennt, fotografiert, und es hat auch Spaß gemacht. Aber immer öfter begegnete ich Situationen und Szenen, wo ich dachte: Boah, das wäre jetzt ein tolles Bild geworden!
      Und dann schiebe ich die Angst einfach zur Seite. Für eine Weile… 😉

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