Weitergehen

So. Das war’s. Die letzten Bilder der letzten Wochen sind be-arbeitet und abge-arbeitet, das Archiv ist leer. Endlich. Und der Kopf frei für neues.

In den vergangenen Wochen hatte ich wiederholt das Gefühl, fotografisch auf der Stelle zu treten. Nicht weiterzukommen. Immer nur an der Natur hängenzubleiben. Nette Motive, aber irgendwie immer dasselbe. Keine Abwechslung, keine Herausforderung. Wiederholungen über Wiederholungen. Immer nur mit dem gearbeitet, was sich gerade anbot, nichts neues ausprobiert. Die Kreativität irgendwo zwischen Wald und Wiese auf der Strecke geblieben…

Das soll nicht heißen, dass die Natur mich langweilt. Im Gegenteil, die Natur ist alles andere als langweilig und ist das Auge erst mal geschult, entdeckt man kleine Kostbarkeiten, an denen man als Nicht-Fotograf achtlos vorübergegangen wäre.
Und dass es oft die kleinen Dinge sind, die unser Herz erfreuen, wissen ganz besonders die Natur-Fotografen, die es dann auch verstehen, diese kleine Kostbarkeiten ins rechte Bild zu rücken und uns so und ohne mit dem Zeigefinger zu wedeln, bewußt machen, mit welcher Selbstverständlichkeit der Mensch die Natur hinnimmt, darüber hinaus aber vergisst, dass in dieser Zeit nichts mehr selbstverständlich ist und gerade die Natur unsere Aufmerksamkeit braucht. Damit sie uns noch lange erhalten bleibt.

Dennoch – ich möchte etwas anderes machen. Ich möchte weitergehen. Vielleicht auch weiter gehen. Wohin und wie weit, weiß ich jetzt noch nicht. Vielleicht bringt mich der Wunsch nach Veränderung auch nirgendwohin, vielleicht bringt er mich zurück zur Natur. Vielleicht erweist er sich auch als Sackgasse. Vielleicht ist die Natur genau mein Ding, und ich weiß es (noch) nicht. Vielleicht, vielleicht, vielleicht…

Aber eins weiß ich gewiss: Ich möchte wieder mehr experimentieren. Ideen ausarbeiten. Ideen haben. Im Zuge des Projekts 365 hatte ich haufenweise Ideen und ich habe viel experimentiert. Dahin möchte ich zurück. Erst mal. Dann sehen wir weiter.

Für den einen oder anderen mag dieses ‚Schluss-Plädoyer‘ klingen wie ein Abschied, und zwar von der Natur. Das ist es natürlich nicht. Die Natur spielt fototechnisch nur nicht mehr die erste Geige. Dafür aber die letzte Hauptrolle. Biddeschön…

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~ von PeM - 16. Dezember 2011.

22 Antworten to “Weitergehen”

  1. Eine echte Herausforderung wäre es ja, von MIR schöne Bilder zu machen :mrgreen: Aber Du solltest nicht gleich mit einer „Mission impossible“ anfangen … Ich wünsche Dir viel Freue beim weiter gehen und denke, Du wirst das schon schaffen!

    • Die Kunst ist doch, auch scheinbar uninteressantes zum Hingucker zu machen *lach*
      Spaß beiseite, so schlimm wird es um Dich schon nicht bestellt sein 🙂
      Aber die Art Portraits, die hinter die Fassade schauen, sind definitiv eine Nummer zu groß für mich…

  2. Leerfotografiert, abgearbeitet, nicht vorwärtskommen, ein Abschied, ein Anfang. Nur was?
    Ein Gefühl, dass mich oft beschleicht.
    Meistens, wenn ich einen, zwei, drei mal morgens draußen unterwegs war, ohne ein inneres Bild zu entwickeln. Ein ziemlich frustrierendes Gefühl. Meistens mit beinah existentiellen Fragen im Gepäck.
    Allerdings hatte ich bisher nicht das Bedürfnis, andere Dinge zu fotografieren sondern versucht, mich einzelnen Themen, Gebieten, Gegebenheiten anders zu nähern. Was mal besser und mal schlechter funktioniert.
    So lange bis die Schleife von vorn beginnt. Bisher glücklicherweise immer mit einer Weiternetwicklung verbunden – zumindest aus meiner Sicht 😉
    Dir jedenfalls viel Spaß bei der Suche und dem Weg dorthin.
    ich bin gespannt.
    LG Michel

    • Ein inneres Bild abe ich eigentlich nie, wenn ich losziehe. Ich weiß vielleicht, was ich fotografieren will, habe vom ‚wie‘ aber keine Vorstellung, weil ich ganz einfach nicht weiß, was mich erwartet. Das ‚wie‘ kommt bei mir in der Regel immer erst dann, wenn ich vor dem Objekt meiner Begierde stehe.
      Das könnte sich in Zukunft aber ändern, wenn das Ergebnis von der Planung abhängt.

      „Meistens, wenn ich einen, zwei, drei mal morgens draußen unterwegs war, ohne ein inneres Bild zu entwickeln. Ein ziemlich frustrierendes Gefühl. Meistens mit beinah existentiellen Fragen im Gepäck.“

      Manchmal denke ich, dass man zuviel will, die Erwartungen einfach zu hoch schraubt. Eins meiner Lebensmottos lautet: Erwarte nichts, dann kannst du auch nicht enttäuscht werden 😉

      „Allerdings hatte ich bisher nicht das Bedürfnis, andere Dinge zu fotografieren sondern versucht, mich einzelnen Themen, Gebieten, Gegebenheiten anders zu nähern. Was mal besser und mal schlechter funktioniert.“

      Ja, das kenne ich auch. Doch wenn es mal nicht (so gut) funktioniert, ist das für mich noch kein Grund zur Verzweiflung. Wenn das passiert, sage ich mir, dann war das halt nicht mein Ding/Thema. Oder ich war nicht besonders gut in Form, oder andere Dinge haben mich abgelenkt, und, und, und. Es gibt derlei tausend Gründe, wenn es mal nicht funzt. Aber keinen, der mich dazu veranlassen könnte, die Flinte ins Korn zu werfen 😉

  3. Ich kann dich soo gut verstehen! Ich fühle im Moment genau so. Ich will endlich mehr fotografieren, als bloss Offenblende-Blümelein und Christbaumkugeln mit Bokeh ;-). Auch ich will weitergehen und bin gespannt, wohin die Reise führen wird. Erste Schritte sind getan, noch sehr unsicher und nicht meinen Ansprüchen entsprechend, trotzdem freue ich mich darüber…und ich freue mich sehr auf deine Fotos!
    Alles Liebe,
    Sandra

    • Und ich mich auf Deine, liebe Sandra!

      Also, das ist ja jetzt’n Ding, dass es Dir ähnlich oder genauso geht! Wir sollten uns auf eine Tasse (oder zwei) Kaffee (oder Tee) zusammensetzen und uns darüber austauschen *lach*
      Spaß beiseite 😉
      Ich freue mich tatsächlich auch darauf. Schon lange bewundere ich die Ideen anderer und denke dann, „wieso ist MIR das nicht eingefallen?“, oder einfach deren Kreativität.
      Ich will einfach sehen, was passiert 🙂

  4. Hm, Deinen Wunsch nach Neuem verstehe ich, aber wenn ich diese Bilder anschaue, dann finde ich so viel Schönes, Neues, was ich selbst noch nicht gesehen habe, dass ich staune.

    Trotzdem wünsche ich Dir, dass Du findest, was Du suchst und mindestens ebenso schön festhalten kannst.

    Und ja, wer weiß, vielleicht entdeckst Du die Naturdann wieder neu, mit anderen Augen, weiteren Erfahrungen! 😉

    Danke für Deine Bilder und viel Spaß und Erfolg bei allem, was Du noch entdeckst und ausprobierst! 🙂

    • Mach es mir doch nicht so schwer! *lach*
      Deine Worte ehren mich wirklich sehr, lieber Christian, doch klingen sie aus Deiner Feder irgendwie so endgültig, dass es fast wehtut…
      So wollte ich es aber nicht verstanden wissen.
      Die Natur wird nach wie vor Bestandteil meiner fotografischen Interessen (Gott, das klingt so geschraubt…) bleiben. Nur halt nicht mehr so exzessiv. Andererseits fängt der Winter erst an, und ich liebe den Winter… 😉

      Vielen Dank für die erwärmenden Worte! *freu*

  5. Tolle Bilder! Ich denke, du wirst den für dich richtigen Weg finden……

    glg Eva

  6. Kann Dich da sehr gut verstehen und das mit dem “ auf der Stelle treten “ kommt mir ja irgendwie bekannt vor.
    Naturfotografie gibt es ja noch nicht viel von meiner Seite,habe da reichlich Nachholbedarf, hier in Paraguay finde ich einfach nicht den Zugang, will ich auch irgendwie nicht. Klingt eventuell etwas seltsam, ist aber leider so. Ab 2012 soll sich dann endlich etwas aendern, habe viele Ideen zum Thema Fotografie im Kopf, lasse mich das mal selbst ueberraschen:-)
    Wenn alles klappt werden wir Paraguay in Laufe des naechsten Jahres verlassen und uns in Richtung Oberbayern bewegen:-) Rein fotografisch kann ich mich dort total austoben, werde im Maerz 2012 dort sein und die Lage abchecken, alles weitere wird sich dann zeigen.
    Wuensche Dir viele kreative Ideen und ich bin mir sicher dass Du das bestens meistern wirst.

    In diesem Sinne, noch saludos, aber bald ein servus:-)

    Ruediger

    • Naturfotografie: Seltsam klingt das für mich keineswegs. Du hast wahrscheinlich andere Themen, die Dich mehr inspirieren. Ich denke, jeder Fotograf hat so sein bevorzugtes Spezialgebiet, und wenn die Natur da für Dich eine untergeordnete Rolle spielt, heißt das ja nicht, dass sie Dir nichts bedeutet 😉

      „Wenn alles klappt werden wir Paraguay in Laufe des naechsten Jahres verlassen und uns in Richtung Oberbayern bewegen“

      WAAAS!? Wow! Das haut mich ja jetzt um! Ich dachte immer, wer nach Paraguay, oder generell so weit weg auswandert, erfüllt sich damit einen Traum 😉 Ich bin kurz davor, sprachlos zu sein *lach*

      Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass alles nach Deinen – Euren – Vorstellungen klappen wird! 🙂

  7. Wow, das sind ja mal vernebelte Bilder 😀

  8. „Auf der Stelle treten“ – sicherlich ein Gefühl, das wir Fotografen alle kennen. Aber es ist nur ein Gefühl, denn man entwickelt sich immer weiter. 🙂

    Du könntest dir ja auch mal ein paar Aufgaben stellen (auch in der Natur möglich): z. B. ein Shooting lang nur ein bestimmtes Objektiv benutzen. Oder bei einem Stadtrundgang nur rote, blaue oder gelbe Dinge fotografieren (habe ich mal mit Rot und mit einem 50er Objektiv gemacht und es hat unglaublich viel Spaß gemacht) oder du versuchst in 10 Bildern eine Geschichte zu erzählen. Es gibt so vieles.

    Deine Bilder sind allesamt sehr stimmungsvoll und auch die Tristesse kommt sehr gut herüber.

    Dürfte ich erfahren, wo dieses herzallerliebste Brückchen über den Weiher zu finden ist? Mir schwebt irgendwie Hanau-Wilhelmsbad vor, aber ich bin mir nicht sicher. Eine tolle Fotolocation jedenfalls.

    Ach ja, und ich wünsche dir noch alles Gute für 2012, vor allem allzeit „gut Licht“.

    LG Sabine

  9. „Aber es ist nur ein Gefühl, denn man entwickelt sich immer weiter.“

    Vielleicht ist dieses Gefühl ja wichtig, damit wir uns überhaupt erst weiterentwickeln KÖNNEN? Der dafür erforderliche Schubs eben 😉

    Das mit den Aufgaben hab‘ ich mir auch schon überlegt – ich arbeite dran 😉

    Das Brückchen steht im Stadtpart Frankfurt Höchst, liebe Sabine. Bis auf 4, 8 und 9 sind alle Bilder in diesem ‚Artikel‘ dort entstanden.

    Vielen Dank und Dir und Deinen Lieben ebenfalls ein Gesegnetes Neues Jahr!

  10. ganz besonders schöne naturstimmungen hast du da eingefangen und das spiegelfoto mag ich besonders …

    schau mal hier:

    http://mono8no8aware.wordpress.com/2011/05/02/die-luftgespiegelte-geometrie-von-teichwasser/

    das ist eine meiner besten und liebsten fotostrecken…

  11. Ja, das Spiegelfoto gefällt mir auch am besten… es war auch eine ganz seltsame Stimmung, in so dichtem Nebel fühlt man sich nicht nur allein, sondern richtiggehend verlassen und ein bisschen unheimlich ist es auch. Aber auch etwas wie… befreiend…

    Link Luftgespiegelte Geometrie: Wow, da sind ein paar richtige Knaller dabei!

  12. Was für wunderbare Nebelstimmungen!!! Das 3. von oben sowie die drei letzten sind meine Favoriten. 🙂 Toller Lichteinfall auf den letzten beiden!

    • Ach wie schön, Dich auch mal wieder hier zu haben! Sag bloß, Dein I-Net funktioniert wieder?!

      Vielen Dank jedenfalls *freu* Bei dem Lichteinfall auf den letzten beiden hab‘ ich etwas nachgeholfen… 😉

  13. Oh je, meine letzte große Kommentarrunde ist ja schon wieder ewig her +seufz+

    Aber ich möchte es nicht versäumen, dich für deine hochstimmungsvollen Nebelfotos zu loben.

    Die zwei Brückenfotos – wie einer Märchenlandschaft oder Traumwelt entnommen
    Dieses tolle Bild von dem Baum, mit der Spiegelung … und den Vögeln in der Spiegelung, die man auf der „echten“ Seite nicht sieht – das hat etwas total Unwirkliches. Ein Zauber.
    Dann, zwischen den Bäumen, dieser schmale gewundene Weg im Herbstlaub…
    und der Lichteinfall auf dem Vorletzten Bild – hier hätten mir die Menschen aber besser gefallen, wenn sie entweder deutlicher oder gar nicht auf dem Bild wären 😉

    Der Point.

    • Erst mal Vielen Herzlichen Dank für Deine Meinung/en, Point! *freu*

      Baum mit Spiegelung von Vögeln: Du irrst, der echte Vogel ist da! Er flog ganz dicht über dem Wasser. Aber Deine Sicht gefällt mir auch sehr gut, so hätte ich das Bild nie gesehen 🙂

      Der schmale Weg zwischen den Bäumen ist in Wahrheit ein ganz kleines Bächlein, das kaum bis gar kein Wasser führt 😉

      Das Rentnerehepaar im Wald: Ich habe auch Aufnahmen gemacht, auf denen sie dann besser zu sehen waren (aber immer noch weit genug entfernt, als dass sie mich bemerkt hätten, zum Glück…), aber mir gefiel gerade das schemenhafte. Es macht die Sache ein kleines bisschen geheimnisvoller, finde ich 😉

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