Der Reiz der letzten Ruhestätten

Für den einen oder anderen mag es vielleicht etwas morbid anmuten, aber für mich haben Friedhöfe etwas magisches. Wobei ‚magisch‘ eigentlich nicht das richtige Wort ist. Aber auf einem Friedhof  findet man ein heutzutage gar selten gewordenes Gut – Ruhe. Mehr noch – Stille.

Ist dasselbe, meint Ihr?

Mitnichten.

Definiere Ruhe: Das Wegfallen jeglicher Geräuschkulisse.

Definiere Stille: ein seelischer Zustand.

Spaziert man früh morgens mit der Kamera (oder auch ohne) über einen Friedhof, bekommt man beides. Zweiteres jedoch nur, wenn man sich darauf einlässt. Wer da jetzt leise schmunzelt, dem sei gesagt, dass man sich nicht zwangsläufig unter der Erde befinden muss, um diese Stille zu finden 😉

Dennoch. Es ist eine eigentümliche Stimmung. Demut vielleicht. Innerer Friede. Irgendetwas in dieser Richtung. Ist es dann noch trüb und grau, oder gar neblig, passt es – für mich – wie die Faust aufs Auge.

Ja, ja, ich weiß.

Ich bin ein Dezemberkind und als solches schon immer tief melancholisch gewesen. Schwere, getragene Songs, die bei anderen eher Selbstmordgedanken hevorrufen, ziehe ich jedem Party-Kracher vor. Über ‚Hangover‘ und ‚King of Queens‘ kann ich nicht die Bohne lachen, dafür leide ich inbrünstig mit ‚Mr. Nobody‘ und heule leidenschaftlich bei ‚Brokeback Mountain‘.

Tatsächlich bin ich aber ein fröhlicher Mensch! 🙂

Wie auch immer.

Jeder (Fotograf) hat so seine eigene Vorstellung von Friedhöfen. Sofern er sie überhaupt als fotografierenswert erachtet. Ich persönlich finde sie als Motiv außerordentlich interessant. Und da sie irgendwie auch in die Vorweihnachtszeit passen – immerhin trifft man dort Engel, Jesus und nicht zuletzt auch Gott – hier eine kleine Auswahl von Bildern, auf denen ich versucht habe, den für mich ganz persönlichen Reiz dieser letzten Ruhestätten darzustellen.

Ich wünsche Euch allen einen friedvollen 3. Advent

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~ von PeM - 9. Dezember 2011.

25 Antworten to “Der Reiz der letzten Ruhestätten”

  1. Das sind phantastische Aufnahmen, ich bin total begeistert.

  2. Whowwwh, die Bank und das Foto darunter, ganz wundervoll!!

  3. Herzlichen Dank, Ihr zwei 🙂

  4. Sehr schön! Das erste Bild, die Bank und das Bild darunter gefallen mir am besten.

    Wenn ich Ruhe und Stille definieren müsste, würde ich übrigens deine Definitionen nehmen – aber umgekehrt. Für mich ist Stille eher eine akustische Sache, Ruhe eher der innere Zustand. Interessant!

  5. Du sprichst mir aus der Seele!
    Mir geht es ganz ähnlich…
    Was mir noch gefällt an Friedhöfen ist die Vogelwelt, die dort ganz
    ungestört lebt.
    Schöne Gedanken zu traumhaften Bildern!
    LG Smilla

    • Stimmt, ich habe auf dem einen Friedhof (der gaaanz große) schon mal einen Falken gesehen! Könnte aber auch ein Mäusebussard gewesen sein, ich verwechsle die immer…

      Vielen Dank, Smilla *freu*

  6. Das sind fantastische Fotos, die genau das ausstrahlen, was Du auch beschrieben hast: die ganz eigene Stimmung, die einen ergreift, wenn man einen Friedhof besucht und sich auch darauf einlässt. Meine Spaziergänge führen mich auch oft dorthin und ich lasse mich gerne von dieser Stille einfangen.

    Ich wünsche Dir ein wunderschönes 3. Adventswochenende.

    Liebe Grüße
    Jutta

    • Vielen Herzlichen Dank, Jutta!

      Offenbar gibt es doch mehr Menschen, die Spaziergängen auf dem Friedhof nicht abgeneigt sind, als ich dachte. Warum auch nicht? Ist doch keiner da, der einem was tun könnte 😉

  7. Das erste Foto ♥ Und das Foto mit der Bank ♥ Und das Foto danach ♥

    Wunderschön! 🙂

    Ich hätte Ruhe und Stille übrigens genau andersrum definiert. Für mich ist die Stille der Wegfall der Geräusche und die Ruhe der seelische Zustand.

    Der Point.

    • „Ich hätte Ruhe und Stille übrigens genau andersrum definiert.“

      Ja, da bist Du nicht die einzigste, wie ich inzwischen erfahren durfte 😉
      Aber wie man es auch immer für sich selbst definiert, letztendlich glaube ich, dass Ihr alle wisst, wie ich es meine 😉

      Vielen Dank, Point!

  8. Da besteht eindeutig eine Seelenverwandtschaft, wenn ich das mal so nennen darf:-)
    In der heutigen Zeit einen ruhigen Ort oder Platz zu finden ist nicht so einfach, Friedhoefe bieten da eine ganz besondere Stille und Stimmung.
    Habe ja vor einiger Zeit mehrmals einen grossen Friedhof hier in Asuncion besucht, nach der Erlaubnis fotografieren zu duerfen, hatte ich dann auch meine Ruhe, mehr oder weniger:-)
    Mir wird auf Friedhoefen die Endlichkeit des Daseins immer sehr bewusst, verbunden mit positiven Gedanken, meistens jedenfalls. Ich tendiere auch mehr zur Melancholie und tief gehenden Songs. Bei Filmen gibt es natuerlich auch ein paar ganz spezielle, einer meiner Favoriten ist “ Into the Wild „, erkenne mich dort immer wieder.

    Die Zusammenstellung und fotografische Gestaltung Deiner Aufnahmen ist Dir wieder beeindruckend gelungen.

    saludos Ruediger

    • Ich liebe den Film ‚Into the Wild‘! Gaaanz großes Kino, und bei der Szene, in der ‚Alexander Supertramp‘ vor… ja, vor Ehfurcht die Tränen kommen, als er den Elch sieht, könnte ich auch jedesmal… egal… *lach*

      Ja, bei uns ist das ja nicht so mit Erlaubnis, wenn man auf dem Friedhof fotografieren will, Du hast das ja mal in Deinem Blog erklärt, WIE anders das in Deinen Breitengraden läuft.

      „Mir wird auf Friedhoefen die Endlichkeit des Daseins immer sehr bewusst, verbunden mit positiven Gedanken, meistens jedenfalls.“
      Das ist schön, denn die meisten Leute verbinden Friedhöfe eher mit negativen Gedanken…

      Vielen Dank, Ruediger!

  9. Friedhöfe sind bei mir immer mit großem unbehangen verbunden. Daher halte ich mich von dieses Ruhestätten fern. Dort zu fotografieren oder (kurzfristige) Stille zufinden ist mir deshalb wahrscheinlich auch noch nie in den Sinn gekommen. Aber die Bilder sind grandios.

    Deine Defintionen sehe ich für mich andersherum.

    Viele Grüße
    Stefan

    • Ja, vielen Leuten bereiten Friedhöfe Unbehagen. Nun verbringe ich nicht unbedint jede freie Minute dort, aber wenn ich einen Friedhof sehe, den ich noch nicht kenne, steht der auf jeden Fall auf meiner ToDo-Liste 🙂

      Herzlichen Dank, Stefan!

  10. wunderschön! Bild 4 und Bild 8 sind meine absoluten Favoriten.
    LG, Sandra

    • Mag denn niemand Bild 3 und 6? *lach* Das sind nämlich meine persönlichen Favoriten, sofern ich die bei meinen eigenen Bildern haben darf 😉

      Dankeschön trotzdem, liebe Sandra! Dieser Jesus ist so ziemlich der schönste Jesus, den ich bis jetzt bewundern durfte. Leider wurde diese Grabstätte inzwischen abgerissen…

  11. Das hier ist auch ganz großes Kino …… sehr stimmungsvolle Szenen ganz behutsam eingefangen. Du hast das Licht perfekt für Dich arbeiten lassen. Ganz großes Lob, ich bin begeistert.
    Übrigens habe ich noch nie auf Friedhöfen fotografiert.

  12. Text und Bilder passen sehr harmonisch zusammen. Eins Deiner Lieblingsmotive – die Bank – ist mal wieder ein ganz tolles Bild geworden, aber die anderen gefallen mir auch! 🙂

  13. Mein geschultes Fotografinnenauge 😉 erkennt sofort den Hauptfriedhof in Frankfurt. Dort fotografiere ich auch gerne, wie überhaupt auf Friedhöfen, wenn das Licht eine besondere Stimmung hergibt.
    Viele verstehen das nicht, aber nirgends wo finde ich sonst so „bewegende“ Motive.
    Schön, deine Serie.
    LG Sabine

    • Richtig, der Hauptfriedhof! Hallo, Frau Nachbarin *lach*
      So gerne ich auf Friedhöfen fotografiere (beipflichtendes Kopfnicken bezüglich des Unverständnisses der Leute…), das, was mir vorschwebt, habe ich noch nicht gefunden. An Motiven mangelt es nicht – gerade der Hauptfriedhof ist da eine unerschöpfliche Quelle – aber am richtigen Licht. Und meistens dann, wenn das Licht richtig ist, habe ich keine Zeit…

      Herzlichen Dank, Sabine! *freu*

  14. sehr beeindruckend wieder mal, deine fotos…

    den wormser friedhof hast du ja schon bei mir entdeckt…

    aber dieses friedhofspoem von mir vllt noch nicht:

    http://mono8no8aware.wordpress.com/2011/06/13/ruckkehr-zur-ewigen-einsamkeit/

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