Neblige Stille in den Schwanheimer Dünen

Zwei Wochen ist es nun schon her, seit ich die Schwanheimer Dünen im Nebel genießen durfte. Ich hatte ja irgendwo schon mal gesagt, dass der Nebel seine ganz eigene Faszination besitzt, bisweilen aber auch recht gruselig sein kann. Und hier ganz besonders. Hier gibt es kleinere Waldstücke, nicht allzu dicht bewachsen, und offene, wilde Wiesen. Apfelbäume. (Eingezäunte) Seen. Alte Zäune, die Gefahr laufen, umzufallen, wenn man sie zu scharf ankuckt.

Im Sommer ein Genuss, durch die Schwanheimer Dünen zu streifen. Die Sonne taucht alles in goldenes Licht, die Vögel zwitschern, die Luft ist warm.
Auch an nebligen Herbsttagen wie diesem hat ein Spaziergang durch die Dünen seinen Reiz, dennoch – etwas scheint in der Luft zu liegen… Etwas Undefinierbares.

Vielleicht ist es die ungewohnte Stille, die uns unheimlich ist. Schwer, in einer von Geräuschen überfluteten Welt wie der unsrigen diese Art von Stille zu ertragen. Wir nehmen es schon gar nicht mehr wahr. Ständig brüllt von irgendwoher Musik, der Fernseher läuft mehr oder weniger beachtet 24/7, und wenn wir unterwegs sind, wo kein Radio und kein Fernseher uns stören könnte, zücken wir das Handy oder den mp3-Player – die Stille ist die ‚Lärmbelästigung‘ der Neuzeit, wir ertragen sie nicht.

Sollte uns das nicht beunruhigen?

Im Gegenteil. Es wird weiter nach Möglichkeiten gesucht, die Stille zu ersticken. Das Handy ist zum Mediacenter mutiert. Pay-TV hilft uns dabei, uns selbst zu vergessen.

Uns-selbst-zu-vergessen.

Und deshalb ist uns die Stille unheimlich. Denn die Stille zwingt uns, Zeit mit einem Menschen zu verbringen, den wir nur schwer ertragen – uns selbst.

Hm.

Eigentlich wollte ich nur ein paar Nebelbilder posten…

Irgendwie wirken Nebelbilder in schwarz/weiß am besten, finde ich. Beispiel gefällig?

Meistens jedenfalls… 😉

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~ von PeM - 24. November 2011.

26 Antworten to “Neblige Stille in den Schwanheimer Dünen”

  1. Herrlich, deine Nebelbilder. Stimmt, sie wirken in Schwarz-Weiß noch besser als in Farbe. Gut geschrieben hast du. Ich persönlich liebe es,
    auf einer Bank in der Natur zu sitzen und wie du so schön sagst, Zeit
    mit mir zu verbringen. Etwas erholsameres gibt es nicht.

    • Dankeschön, Ute:-)
      Ich finde auch, ab und zu sollten wir ein bisschen mehr Zeit mit uns selbst verbringen. Nachdenken, reflektieren, zur Besinnung kommen in dieser hektischen Zeit…

  2. wunderbare Fotos, Nr. 1 ist mein Favorit, liebe Petra,
    „uns-selbst-zu-vergessen“, DIE Gesellschaftskrankheit par excellence momentan. Mir ging es am letzten Dienstag ganz ähnlich. Ich war unterwegs im Naturschutzgebiet, der Nebel war wirklich ziemlich dick und mich fröstelte es, obwohl ich warm eingepackt war, als mir klar wurde, dass die Stille, der alle-Töne-verschluckende Nebel, der Auslöser war. Plötzlich ist man alleine mit sich selbst. Wunderschön und stärkend, wenn man scih nicht vor dem eigenen Schatten (der echte/oder auch der nach C.G. Jung) fürchtet.
    LG, Sandra

    • Dankeschön, Sandra 🙂
      Nach dem C.G. Jung-Schatten muss ich allerdings mal googeln, da hast Du mich jetzt neugierig gemacht…
      Aber sag mal, wie hast Du Deine Nebelbilder nur so hingekriegt? Ich war neulich wieder im Wald und ich sah diese superschönen Lichtstreifen, wie sie auch auf Deinen Bildern zu sehen ist – aber ich hab‘ sie nicht auf den Chip gebannt gekriegt!
      Deine Bilder sind allererste Sahne, aber das sag‘ ich Dir nachher noch in Deinem eigenen Blog *lach*

  3. Mir gefallen die Bilder auch in Schwarz-Weiß am besten, obwohl ich nicht glaube, dass es generell so ist bei Nebelbildern. Das 4. von oben gefällt mir am allerbesten, hat eine wohlig-verwunschene Stimmung. Zumindest auf den Fotos wirkt die Landschaft gar nicht unheimlich, aber es íst sicher etwas anderes, wenn man die Stimmung hautnah erlebt, so allein in der grau-trüben Stille. Ich liebe diese Stille, wenn man sich endlich wieder selbst fühlt, ganz klar und pur, mit allem, was dazu gehört. Eine feine Stimmung hast Du uns hier wieder gezeigt. 🙂

    • Ja, Du hast recht, Nelia, das kann man nicht verallgemeinern. Aber zumindest in dieser Serie (und auch in der letzten) kamen die Bilder in s/w am besten rüber. Schaut man sich Sandras Nebelbilder an >>> ( http://geblendet.wordpress.com/2011/11/25/an-der-nebelgrenze/ ), sieht die Sache schon wieder ganz anders aus… 😉

      „Zumindest auf den Fotos wirkt die Landschaft gar nicht unheimlich, aber es íst sicher etwas anderes, wenn man die Stimmung hautnah erlebt“

      Das kommt vielleicht auch auf den jeweiligen persönlichen Hintergrund an.

      Dankeschön, Süße 🙂

  4. Also, ich vergesse mich nicht – eine doppelt positive Eigenschaft, finde ich 🙂 Schön, Deine Gedanken zum Nebel. Stille ist aber nur dem unheinmlich, der leer ist. Denn wer sich auch selbst genug sein kann, wird die Stille genießen und den Nebel als Schleier benutzen, um sein Selbst zu zieren!
    Da guckste, was? Der darke Johann kann auch romantisch …

  5. Sehr schöne Eindrück. Man kann dem dunklen, nebligen November durchaus etwas abgewinnen, eine einzigartige Stimmung, die deine Bilder gut ausdrücken.

  6. Wunderschöne Nebelbilder, sehr stimmungsvoll. Stille ist für mich unheimlich, unheimlich inspirierend meine Gedanken schweifen zu lassen, die Ruhe in mir selbst zu fühlen, nicht abgelenkt von den ganzen Medien und Verkehrslärm. Ich liebe die Stille!

  7. Auch fuer mich ist diese Wetterstimmung eine besondere, leider gibt es diese hier in Paraguay fast nie.
    Mag die Gestaltung der Aufnahmen sehr, monochrom ganz besonders. Die Stille hoeren, das ist ein besonderer Moment.

    saludos

    • Ach Ruediger, fast tut es mir für Dich leid, dass Du all das in Paraguay nicht hast. Die Jahreszeiten… Sicher gibt es bei Euch wetterspezifische Eigenheiten, die wir hier dafür nicht haben, aber… vermisst Du das nicht irgendwo?

      „Die Stille hoeren, das ist ein besonderer Moment.“
      Und ein kostbarer dazu…

      Herzlichen Dank, Ruediger!

  8. Doch, und wie ich gewisse Momente hier in Paraguay vermisse, aber im Moment ist das leider nicht zu aendern.

    saludos

  9. Nebel… der Zauberer des Herbstes. Wer nicht der selbst auferlegten negativen Stimmung erliegt, der kann sich vom Nebel in wundervolle Gegenden entführen lassen. Ideen davon hast du mit deinen Bildern eingefangen.

    cheers
    ®

    • Dankeschön, Roland! Aber den seltsamsten Nebel, der mir bislang untergekommen ist, hatten wir am Montag (28.11.) – Wahnsinn! Hatte leider keine Kamera dabei, weil ich auf dem Weg zu einem Konzert war. Dichte Suppe, die sogar die Spitzen unserer Wolkenkratzer verhüllten – eine ganz ganz merkwürdige Stimmung. Noch nie erlebt…

  10. Bin wieder begeistert! Danke für Deine Gedanken zur Stille und Deine super BIlder dazu! 🙂

  11. wow, nebelbilder finde ich auch so wahnsinnig faszinierend, das gibt einfach so tolle motive. am liebsten mag ich das mit dem zackigen weg, allerdings in farbe. ein traum!

  12. Ahh, du machst wirklich hoch stimmungsvolle Fotos. Der Nebel, die Silhouetten, das SchwarzWeiß, die Farben, sanfter Fokus, weiche Unschärfe… mir gefallen in diesen Posting ausnahmslos alle Fotos wunderbar.

    Der Point.

    • Vielen Herzlichen Dank für das wirklich dicke Lob, Point!
      Das motiviert ungemein, auch an verregneten Tagen wie heute, die Kamera mitzunehmen… Dankeschön!

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