Letzter Blütengruß

Meine Schwiegermama ist Besitzerin eines Kleingartens. Das ist nichts besonderes, viele Leute haben einen Kleingarten. Mein Ding war das noch nie. Nix gegen einen Garten. Blumen sind was wunderbares und selbst angebautes Obst und Gemüse isst man mit ganz anderem Bewußtsein als das aus dem Supermarkt – Früchte der eigenen Hände Arbeit. Ganz ohne Chemiekeule.

Jedoch lassen die Vorstandsregeln der Kleingartenkolonien einem schon mal die Haare zu Berge stehen: Hier muss noch ein Stück Rasen weg, weil so-und-soviel Nutzfläche Vorschrift sind; Das selbst angebrachte Wellplastik-Dach über der Terrasse bitte entfernen, das ebenfalls selbst aufgestellte Gerüst, welches das Dach stützt, kann stehenbleiben (…). Nur zwei Beispiele von vielen…

Da es aber auch noch jede Menge herrlicher Blumen in so einem Garten gibt, lasse ich die kleinkarierten Vorstandsregeln mal außen vor und wende mich lieber den letzten Schönheiten zu, bevor die Natur sich zum Winterschlaf zurückzieht.

Letzten Samstag also fanden wir uns bei wundervollem Spätsommerwetter im Kleingarten meiner Schwiegermama wieder und halfen ihr dabei, ihre kleine Idylle langsam winterfest zu machen. In den Pausen nahm ich mich fotografierenderweise eines Blumenstraußes an, der mich, voluminös und farbenprächtig, aus einem Kübel heraus anstrahlte – ein Geschenk des Nachbarn, der seinen Garten ebenfalls auf die kalte Jahreszeit vorbereitete. Den eigenen Bedarf schon zur Genüge gedeckt, wollte er die restlichen Blumen nicht einfach auf den Kompost werfen.

Auf den Knien herumrutschend versuchte ich also in unseren Schaffenspausen die Blumen bestmöglich zu platzieren, um eine harmonische Verbindung mit der herbstlich anheimelnden Nachmittagssonne herzustellen, bevor sie ihre Köpfe für immer neigen. Zum goldenen Licht war es beinahe windstill, beste Voraussetzungen also für das Makro.
Und nachdem der gigantische Strauß endlich in Szene gesetzt war, wartete ich auf den Bruchteil der Sekunde, in dem meine Hand gerade nicht (oder am wenigsten…) zitterte. Frau weiß ja, wie sensibel ein Makro-Objektiv auf die kleinste Erschütterung reagiert. Frau weiß auch, dass ein Stativ da Abhilfe schafft. Und sie hätte es sogar benutzt, sofern sie es dabei gehabt hätte…

Dass meine Schwiegermama ausgerechnet jetzt hinter dem Objekt meiner Begierde hin- und herflitzt, nehme ich noch gelassen hin. Als sie dann aber nach dem sorgsam angeordneten Strauß schnappt, während ich mit der Kamera in verkrampftem Anschlag davor knie – „Der Kübel ist undicht, gell?“ – komm‘ ich mir vor wie bei ‚Verstehen Sie Spaß?“…

Den Blumenstrauß in einem Eimer auf der abgedeckten Regentonne zwischengelagert, komme ich dann – ohne Kniefall – doch noch zu meinen Bildern. Die ich hier nun nach langer Vorrede mit Euch teilen möchte.
Tipp: In der Großansicht kommt das seidige Schimmern der Blüten besser zur Geltung 😉

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~ von PeM - 20. Oktober 2011.

21 Antworten to “Letzter Blütengruß”

  1. Nach der ganzen Mühe ist das Resultat einfach wundervoll. Sogar eine kleine Fliege hast du noch mit eingebunden. Ganz tolle Aufnahmen.

    • Vielen Dank, Ute! Die Fliege genoss die letzten Sonnenstrahlen dieses Tages wohl genauso wie wir, da kann ich doch net so herzlos sein und sie verjagen 🙂

  2. Zauberhaft. Aber ob es wirklich der letzte ist. Jedenfalls ein strahlender. Und man hat den Anschein, dass es den Models ebensoviel Spaß gemacht hat wie Dir.

    • Vielen Dank, lieber Herr Müller 🙂
      Generell der letzte Blütengruß ist es sicher noch nicht, da hast Du wohl recht. Bezogen auf den Blumenstrauß im Eimer jedoch schon, denn den seh‘ ich nie wieder. Wollte die Überschrift eigentlich auch noch geringfügig abändern, hatte es dann aber vergessen…

  3. Herbstsonne küsst Prinzessin Dalia – könnte man das nennen. Ich bin begeistert: vom Licht, vom schimmernden Glanz auf den Blütenblättern, von den Farben. Herrlich.

    • Vielen Herzlichen Dank auch Dir, Süße 🙂 Das war aber auch’n Wetterchen! Da hat’s richtig Spaß gemacht, den halben Garten umzugraben, und wenn die Erde dann auch noch so gut riecht – herrlich! Das sind da die Momente, wo man innehält und sich fragt: Verdammt, was ist eigentlich wirklich wichtig? Du verstehst sicher, was ich meine 😉

  4. Wunderschöne Aufnahmen von den Dahlien, aber den Ganzen Strauß hätte man auch zeigen können.

    • Ach, lieber nicht, liebes bilderbuch. In dem Kübel, bzw. Eimer kam er doch sehr unromantisch daher. Und egal, wo ich ihn platziert hätte, nichts wollte passen. Die schönen Standort lagen im Schatten, die sonnigen offenbarten einen wenig prickelnden Hintergrund 😉

  5. Meine Güte! Einfach nur toll! 🙂 Wie geht sowas?

    Finde es sehr schön, dass Du nicht nur die Fotos teilst, sondern auch die Entstehungsgeschichte dazu – die übrigesna uch sehr unterhaltsam geschrieben ist und kein Stück zu lang! 😉

    • Vielen Herzlichen Dank, Gefrorene Zeit! Auch, was den Text betrifft.
      Manchmal fühl‘ ich mich hin-, und hergerissen – dann weiß ich nicht, ist es vielleicht nicht doch zuviel Text? Wen interessiert das alles?

      Dann mach‘ ich mich ans Kürzen und mir fällt auf, wie weit ich oft aushole.
      Mich auf’s Wesentliche zu konzentrieren, fällt mir nicht schwer. Ohne (unnötige?) Umwege auf den Punkt zu kommen, schon eher *lach*

      Und dann freuen mich Kommentare wie Deine umsomehr – Also, Danke nochmal, Gefrorene Zeit 🙂

  6. Da wird mir ja ganz blümerant – sowohl ob der Bilder als auch der Kleingeistregeln.
    Deine Kreativität wurde aber nicht beeinträchtigt – eigentlich ein Wunder, wenn Schwiegermutter … aber es sind ja nicht alle Schwiegermütter so … na, so halt 🙂
    Herzliche Grüße vom Albtraum aller Schwiegermütter,
    Ralph

    • Dankeschön, Ralph 🙂

      Also, an dieser Stelle muss ich echt mal ein dickes Lob auf meine Schwiegermama loswerden – sie ist wirklich die beste Schwiegermutter, die man sich wünschen kann. Hätte mir jemand anders dieserart ins Handwerk gepfuscht, wäre ich unter Umständen sauer gewesen. Aber diese Frau ist so eine wunderbare Person, dass ich ihr so gut wie alles verzeihe 😉

  7. Ganz wundervolle Blüten!!!

  8. *hach ich vermisse den Sommer jetzt schon….
    Tolle Fotos mit wunderbarem Licht (DAS wiederum gibt’s nur im Herbst).
    Liebe Grüsse zu dir!
    Sandra

    • Herzlichen Dank, Sandra!
      Aber… ganz ehrlich? Ich vermisse den Sommer üüüberhaupt nicht!
      Aber ich freue mich, wenn er dann wieder da ist 🙂

  9. für mich ist das kleingartentum auch nix, aber der ausflug hat sich für DIESE wunderschönen bilder mit den traumhaften motiven und dem ganz unglaublichen licht auf jeden fall gelohnt!

  10. Fantastische Fotos mit wunderbarem Herbstlicht sind das geworden. Klasse, bin ganz begeistert.
    Lieben Truß,
    Thea

    • Vielen, Vielen Dank, liebe Thea! Hätte wirklich nicht gedacht, dass die hier so großen Anklang finden… Freut mich aber ungemein 🙂

  11. Astreine florale Aufnahmen, schnittig, wunderbare Lichtstimmungen, herrlich die Farben, bestens bei fast allen die Schaerfe gesetzt. Zum Stativ sage ich jetzt nix, bin da so ab und zu auf der gleichen Baustelle:-))))

    saludos

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