Kölner Lichter 2011

Vor ein paar Wochen erreichte mich ein Brief (jawoll, ein Brief, keine Email) von Colognelia, der einen Flyer von ‚Kölner Lichter‘ enthielt und ein Zettelchen mit den (sinngemäßen) Worten: „Woll’n wa hin?“
Erläuterung ‚Kölner Lichter‚: die Kölner Variante des Rüdesheimer Events ‚Rhein in Flammen‚, welches vor 33 Jahren ins Leben gerufen wurde, kurz – ein gigantisches Feuerwerk, das synchron zu klassischer und poplärer Musik tanzt. Ein Mordsknaller also im doppelten Sinne.

Da ich große Veranstaltungen der Menschenmassen wegen nach Möglichkeit meide – nein, ich leide nicht unter Platzangst, sonst hätte ich 3o Seconds to Mars bis heute nicht ein einziges Mal live gesehen, was ich mir nie verzeihen würde – ‚Kölner Lichter‘ aber eine hervorragende Gelegenheit wäre, meinen fotografischen Horizont feuerwerkstechnisch zu erweitern, willigte ich ein. Abgesehen davon, würde ich Colognelia wiedersehen und überhaupt – ein Mal im Leben sollte man sowas einfach mal mitgemacht haben. Oder?

Der Plan war folgender: Ankunft in Köln gegen Mittag, Mittagessen bei Colognelia, sich schnakend dem Verdauungskoma hingeben und dann die Ausrüstung zusammenpacken, um am frühen Nachmittag am Ort des Geschehens einzutreffen. Das Feuerwerk würde erst weit nach 22:00 Uhr beginnen. Logischerweise, wenn es dunkel war. Also mussten wir relativ gute Plätze kriegen, denn so ein pyrotechnisches Spektakel ist immer auch ein Fest für Fotografen. Da Nelia schon im Vorjahr die Lage sondiert hatte, konnten ihre Erfahrungen wunderbar in diesen 09. Juli mit einfließen.

Der Tag begann für mich also – wie so oft, seit ich Nelia’s Freundschaft genießen darf – recht früh und führte mich zunächst mal zum Fernbahnof am Frankfurter Flughafen.

Bei einer halben Stunde Wartezeit kommt man schon mal auf blöde Ideen…

… die auch an Kölner U-Bahnstationen mit weniger Wartezeit funktionieren *grins*

Natürlich verband die Stadt Köln die Monumental-Veranstaltung (wie monumental sie sein würde, merkte ich, als ich kurz vor Beginn des Feuerwerks noch mal eben schnell aufs Klo wollte…) mit Volksfest-Ausstattung, Live-Musik und Fressbuden. Und Bierbuden, natürlich. Ob die auch der Grund für den steten Einsatz der mit Blaulicht und Tatü-Tata heraneilenden Notarztwägen weit vor Beginn des eigentlichen Events waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Wundern würde es mich jedenfalls nicht…

Nachdem Nelia und ich gut gerüstet das Haus verlassen und unser Abendessen gesichtert hatten – kalte Pizza ist ’ne feine Sache, wenn auch nicht jedermanns – erreichten wir nach ein paar U-Bahnhaltestellen schließlich die Seilbahn.

Nun war es nicht so, dass Nelia mir dieses klitzekleine Detail verschwiegen hätte. Eher nach dem Motto darüber-mach-ich-mir-Gedanken-wenn-es-soweit-ist lebend, wurde mir der ‚Ernst der Lage‘ erst bewußt, als uns die Gondel in einer mir persönlich viel zu steilen Auffahrt hoch über die Stadt trug. Und Leute – das war verdammt hoch! So hoch, dass ich erst mal alles von mir warf, und es vorzog, auf dem Boden dieses schaukelnden Schuhkartons Platz zu nehmen. Nein, höhenängstlich bin ich auch nicht. Zumindest nicht bewußt…
Nelia jedenfalls schnappte sich beherzt meine für einen Augenblick herrenlos gewordene Kamera, um die Fahrt zu dokumentieren. Wofür ich ihr sehr dankbar bin, denn ich weiß genau, dass ich hinterher wieder gejammert hätte: „Ach mennoh, hätt‘ ich doch nur…“

Es mochte etwa 16:00 Uhr gewesen sein, als wir nach der 10-15minütigen Fahrt auf der anderen Rheinseite durch den Park schlenderten und uns erst mal ein lauschiges Plätzchen auf dem Rasen suchten, da am Strand – von wo aus wir das Feuerwerk fotografieren wollten – entgegen aller Erwartung noch genug Luft war.
Hier auf dem Rasen hatte es Bäume, die bitter nötig waren, wenn die Sonne rauskam.

Verkroch sie sich jedoch hinter einer – glücklicherweise immer temporären – Wolkendecke, war es kühl und sehr windig.

Seht Ihr die Seilbahn auf dem linken Bild 😉

Nach einiger Zeit des Rumlümmelns auf dem gepflegten Rasen meldete sich schließlich die Natur, mit anderen Worten – wo ist das nächste Klo? Da es sowieso langsam Zeit wurde, unsere finalen Plätze zu beziehen, bevor andere es tun würden, packten wir zusammen und machten uns auf die Suche nach sanitären Anlagen, in welcher Form auch immer. Und wir wurden bald fündig – Toilettenwagen, olé-olé!
An dieser Stelle muss ich mal klarstellen, dass Toilettenwagen besser sind als ihr Ruf. Um nichts auf der Welt würde ich sie gegen Dixie-Klos eintauschen wollen. Obwohl im Nachhinein ein paar zusätzliche Dixie-Klos sicher nicht das schlechteste gewesen wären, doch immer schön der Reihe nach.
Nelia und ich stellten uns am ersten Toilettenwagen an – mit etwa fünf Damen vor uns kann man leben – um hinterher festzustellen, dass neben ‚unserem‘ Toilettenwagen noch drei weitere standen, wo so gut wie niemand anstand. Wieder mal typisch… aber beruhigend zu wissen, dass es mehr als einen gab. Dass aber auch vier nicht ausreichend waren, sollte ich noch früh genug erfahren…

Gegen 18:30 Uhr (glaube ich) bezogen wir dann unseren Platz am Strand. Vereinzelt standen schon herrenlose Stative herum, was mich irgendwie an jene Badetücher erinnerte, die diverse Urlauber in diversen Urlaubsorten in aller Herrgottsfrühe (oder auch schon am Vorabend) auf nicht diversen, sondern gar ausgewählten Liegen am Hotelpool deponierten. Sollte das eine typisch deutsche Urlauber-Attitüde sein, schäme ich mich für mein Volk in Grund und Boden…

In gut dreieinhalb Stunden würde es losgehen. Schon witzig irgendwie – man aalt sich faul auf dem Rasen eines Parks, darauf wartend, sich woandershin zu begeben, um dort weiter zu warten. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen *grins* Aber hey – wir waren jetzt am Strand! Kiesstrand, neue Sondierung der Lage, neue Leute um uns herum – ist doch spannend, oder? Zeit genug, um sich selbst warm, und den ersten Akku leer zu schießen. Zum Beispiel die Mitbringsel anderer Leute…

… die Leute selbst…

… oder auch schon mal uns gegenseitig, hehe.

Das Porträtieren anderer Personen gehört aber jetzt weniger zu unseren bevorzugten Motiv-Jagden – tatsächlich sind diese mit Vorsicht zu genießen, denn nicht jeder brennt darauf, ein Close Up seines Lächelns, und sei es noch so schön, im Internet zu finden. Also immer schön nachfragen, sobald Ihr ein Gesicht erkennbar ablichtet und das Ergebnis veröffentlichen wollt. Mal abgesehen davon, dass das ohnehin nicht mein Ding ist, finde ich Aufnahmen von Menschen, bei denen das Hauptaugenmerk eben nicht dem Gesicht gilt, sondern dem gesamten Ganzen, sowieso viel reizvoller. Wie bei diesem netten Herrn hier, zum Beispiel. Lasst Euch von seiner Digicam bloß nicht täuschen, die war nur Tarnung. Die fette Ausrüstung stand daneben – er war einer der Stativ-Herrchen…

Wo wir gerade bei diesem heiklen Thema sind – was macht man aber, wenn man Menschenansammlungen dokumentieren will? Soll man die etwa alle fragen, ob sie etwas dagegen haben, sich in einem Blog wiederzufinden? Nun, hier sind die Regeln etwas lockerer. Ralfonso sagt dazu: „Nur wenn Du einen Teil des öffentlichen Lebens fotografierst, kann Dir nichts passieren. Das wären zufällig anwesende Menschen bei einem Konzert oder in der Fußgängerzone. Stellst Du jedoch einzelne Personen bildinhaltlich heraus, oder fotografierst Portraits, ist das kein öffentliches Leben mehr.“ Wer es genauer wissen will, kuckt mal bei den internetjuristen unter Abschnitt 2.2 rein. Und so habe ich bei den folgenden zwei Bildern eigentlich keine Bedenken, Euch zu zeigen, wie sich der Laden langsam füllte 😉

Auf den oberen zwei Bildern seht Ihr zwei Brücken. Die auf dem linken Bild – die Zoobrücke – war rechts von uns, die auf dem rechten – die Hohenzollernbrücke – linksseits. Nelia und ich befanden uns genau dazwischen, und irgendwo in diesem Bereich würde auch das Feuerwerk gezündet werden, mit Augenmerk auf die Hohenzollernbrücke als Hintergrund. Unser Standort war also nicht der schlechteste, oder?
Nelia erzählte mir, dass beide Brücken für die Dauer des Feuerwerks voll gesperrt sein würden, die Hohenzollernbrücke gar als Aussichtsplattform genutzt werden würde. Gegen Bezahlung, natürlich.
Auch die Gondeln der Seilbahn wurden für diesen Zeitraum dem gemeinen Bürger verwehrt, um zahlungswilligen Kanditaten einen Logenplatz zu verschaffen. Ganz zu schweigen von den Schiffen, die für die Dauer des Feuerwerks zwischen den beiden Brücken ‚cruisen‘ würden.  Tickets für die Sicht vom Schiff aus beliefen sich wohl auf dreistellige Summen, und auf der uns gegenüberliegenden Rheinseite muss es wohl auch nochmal sowas wie’ne VIP-Lounge gegeben haben. Wir waren also gesegnet, keinen Eintritt bezahlt haben zu müssen…

Nach dem Sammeln von Eindrücken in unserer neuen Umgebung kündigte sich ein jedem von uns sehr bekannter Zeitgenosse an – der Hunger. Eigentlich war es mehr der kleine Bruder des Hungers, sprich, der Appetit, doch stelle man sich folgendes Szenario vor: Nelia und ich eingekesselt zwischen all den Menschen, in der einen Hand ein Stück Pizza, in der anderen den Fernauslöser, und unser Abendessen auf der Decke ständig der Gefahr ausgesetzt, dass einer reintritt. Die Dunkelheit würde die Sache nicht unbedingt erleichtern. Also besser jetzt einen Happen essen, als nachher in Schwulitäten zu geraten…

So langsam wurden die Schatten länger und die untergehende Sonne zauberte eine atemberaubende Stimmung aufs Wasser. Unsere Ausrüstung mussten wir zwar noch nicht startklar machen, aufgestellt, bzw. hingestellt hatten wir die Stative aber dennoch, denn mittlerweile strömten mehr und mehr Besucher auf den Strand, so dass später wohl kein Platz mehr für die Dinger gewesen wäre.
Bis die Sonne ganz verschwunden sein würde und wir eine weitere Etappe in Sachen Warten in Kauf zu nehmen hatten, versuchten wir, die romantische Stimmung, die selbst dem klobigen Hochhaus auf der anderen Rheinseite etwas wie Ästhetik verlieh, einzufangen.

Mittlerweile war es ungefähr 21:30 Uhr, vielleicht auch schon 22:00 Uhr, als Nelia und ich feststellten, dass ein weiterer Gang Richtung Toilettenwagen nicht das schlechteste wäre. Nicht, dass wir megadringend gemusst hätten. Aber es überbrückte die restliche Zeit, denn langsam wurden wir des Wartens müde. Nelia ließ mir den Vortritt. In 30 – 45 Minuten dürfte das ja wohl zu schaffen sein.
Dachten wir.
Willkommen seiest Du, oh Naivität…
Als ich die Menschenmassen vor den Toilettenwagen erblickte, traf mich der Schlag. Ich hatte ja schon viel gesehen, aber das hier übertraf alles bisher dagewesene an Warteschlangen, die sich vor Toiletten formierten. Ich glaube nicht, dass ich übertreibe, wenn ich sage, dass vor jedem der vier Toilettenwagen eine jeweils hundert Meter lange – mal mehr, mal weniger – Menschenschlange stand, die darauf wartete…ja, worauf wohl. Von meinem Standort aus sah ich nicht mal, wo Schlange Nr.2 endete. Ihr erinnert Euch noch, was ich weiter oben über die Dixie-Klos gesagt habe? Wie auch immer.

Weiter oben auf dem Gelände gab es ein Café. Leider wußten mindestens fünfzig Leute auch davon. Ich hatte die Wahl: Hochziehen und ausspucken, oder auf ein fulminantes Feuerwerk hoffen, das mich angemessen ablenken würde. Ich entschied mich für zweiteres…

Auf dem Rückweg umging ich die Menschenmassen und traf auf zwei berittene Polizisten – ich wußte nicht, dass Pferde SO groß sein können – und ein paar Meter weiter einen Ort, den gefrustete Besucher zum ganz persönlichen, öffentlichen Klo erklärt hatten. Die männlichen zumindest. Aber auch ein paar Weibchen verschwanden in diese etwas verstecktere Ecke des Parks. Nelia hatte mir erzählt, dass öffentliches Pinkeln strikt verboten war. Verständlich. Aber nur, wenn genügend offizielle Pinkelgelegenheiten vorhanden wären. Und das war definitiv nicht der Fall.

Zurück am Strand erstattete ich Nelia ordnungsgemäß Bericht, woraufhin sie auf einen Versuch ihrerseits verzichtete. Stattdessen nahmen wir nochmal die andere Rheinseite ins Visier.

Endlich – ENDLICH – wurde angepfiffen! Von unserem Standort aus bekamen wir leider nicht viel von der Musik mit. Genaugenommen konnte ich nur das Intro wirklich hören – irgendetwas klassisches, bombastisches, das mir in Verbindung mit der heiligen Stimmung, die sich in Anbetracht dieser feierlichen Einleitung breitmachte, ein Gänsehautfeeling erster Güte bereitete. Und das lag wohl zu großen  Teilen auch an den Wunderkerzen, die jetzt rings um uns herum angezündet worden waren – Wahnsinn!

Dann begann das Feuerwerk, mehr linksseits, wie erwartet zur Hohenzollernbrücke hin. Haufenweise Köpfe vor meiner Linse. Bevor ich auch nur einen brauchbaren Schuss landen konnte, musste ich das Stativ neu positionieren – nicht leicht in der engen Dunkelheit, wenn man seinen Vorder-, und Nebenleuten das Dreibein nicht in die Waden rammen will.
Was ich tunlichst vermeiden wollte war, die Mittelsäule auszufahren, damit mir die Stabilität nicht flöten geht. Hätte ich es aber nicht getan, hätte ich direkt einpacken können, also ging ich diesen Kompromiss halt ein. Besser so als gar kein Bild. Da auch viele Kinder in der Gegend herumsprangen – schließlich waren wir direkt am Wasser – musste ich noch zusätzlich aufpassen, dass mir nicht eins gegen das Stativ hüpfte. Was dann auch prompt geschah. Passiert ist glücklicherweise nix.
So fixiert und bereit wartete ich auf ein schönes Feuerwerk – und musste feststellen, dass es sich schon wieder dem Ende neigte, als ich endlich schussbereit war! „Das war die Einleitung“, beruhigte Nelia mich und sie versicherte mir, dass uns der Hauptteil noch bevorstünde. Also warteten wir. Schon wieder. Barry Ryan begab sich in der Zwischenzeit auf die Bühne – wir sahen ihn nicht, aber wir hörten ihn. Wer Barry Ryan ist? Na, der Typ, dessen ‚Eloise‘ ihm aus den 60er Jahren bis ins heutige 2011 gefolgt ist >>>

Soweit ich mich erinnere, trällerte der Brite vier Songs und dann war immer noch viel, viel Zeit bis zum Hauptfeuerwerk…

Gegen 23:30 Uhr war es dann – wieder mal – endlich soweit. Hab‘ ich übrigens erwähnt, dass es inzwischen empflindlich frisch geworden war? Glücklicherweise konnten Nelia und ich ein Stück weit darüber hinwegsehen, denn das Feuerwerk war wirklich… nicht atemberaubend, aber dennoch beeindruckend. Tatsächlich muss ich gestehen, dass ich noch nie ein schöneres Feuerwerk gesehen habe. Andererseits haben Feuerwerke mich aber auch noch nie sooo sehr fasziniert. Als Fotomotiv sind sie allerdings ein MUSS. Man lernt eine Menge dabei. Dummerweise findet man das erst hinterher beim Sichten der Bilder heraus, sofern man sich nicht vorher informiert hat. Und hier kommt Nelia ins Spiel, die genau das getan hat, wofür ich ihr sehr dankbar bin 🙂
Ein Satz in einem der Artikel ist mir ganz besonders im Gedächtnis kleben geblieben und ich war froh, dass er mir nach den unzähligen Überbelichtungen noch rechtzeitig eingefallen ist, bevor der Rest auch noch den Bach runtergehen konnte. Blöderweise find‘ ich den Link nicht mehr, aber in diesem Artikel wurde erwähnt, dass man ein Feuerwerk auch mittels Motivprogramm ‚Landschaft‘ fotografieren könne. Um also einen ungefähren Anhaltspunkt zu kriegen, wie lange die Kamera denn so im Schnitt belichtet, schaltete ich kurz um auf ‚Landschaft‘ und war überrascht, dass die Belichtungszeit weit kürzer war als ich es praktiziert hatte – im Schnitt sechs Sekunden, während ich zwischen zehn und zwanzig Sekunden (Blende 11/13, ISO 100) pendelte. Zudem machte Nelia darauf aufmerksam, dass die ‚Bulb‘-Funktion ja nicht nur dafür da wäre, um länger als dreißig Sekunden zu belichten, sondern auch kürzer, da ja manuell gesteuert. Ich nutzte also nur noch die ‚Bulb‘-Funktion, denn so konnte ich im Augenblick des Geschehens entscheiden, wieviel Belichtung die Figur am Himmel verträgt – eine helle, voluminöse muss man logischerweise nicht so lange belichten, wie mehrere kleine, filigrane.
Auch wäre es vielleicht hilfreich gewesen, wenn wir die Musik, die ja zusammen mit dem Feuerwerk eine Einheit bildete, besser gehört hätten, so hätte man anhand des Charakters des jeweiligen Stückes eventuell gewisse Figuren vorausahnen können.
Das klingt jetzt alles, als hätte ich die Überahnung von Feuerwerken. Die hab‘ ich natürlich nicht. Aber es lohnt sich wirklich, sich vorher schlau zu machen. Ich kann’s nur jedem empfehlen, und mich recht Herzlich bei Nelia bedanken, dass sie es getan und an mich weitergegeben hat 🙂

Die restlichen Bilder vom Feuerwerk findet Ihr in meinem Album Kölner Lichter auf flickr.com 😉

Nach dem Pyro-Zauber beschlossen Nelia und ich, nicht gleich mit dem ersten Schwung auf den Ausgang zuzurennen, sondern schön gemächlich einpacken und dann laaangsam in Bewegung setzen. Wären wir nicht so k.o. gewesen vom vielen Stehen und Warten – kalt war es inzwischen auch geworden – hätte ich wohl versucht, noch ein paar Schnappschüsse von den sich den Ausgängen zu bewegenden Menschenmassen zu erwischen. Im Park, an der Seilbahn, auf der Straße, wo natürlich Ausnahmezustand herrschte – Staus bis nach Bagdad, auf der Brücke, die unzählige Fußgänger überquerten. Und an der U-Bahn. Schon von weitem sahen wir, dass wir eine ausfallen lassen mussten, die danach vielleicht noch ausfallen lassen sollten, wenn wir nicht sardinentechnisch zerquetscht werden wollten.
Das schöne an Köln im Gegensatz zu Frankfurt ist, dass nicht nur auch hier alle Wege nach Rom führen, nein – es geht um ein vielfaches schneller. Wartet man bei uns auf eine S-Bahn schon mal ’ne halbe Stunde, rattern in Köln die U-Bahnen im Zehn-Minuten-, oder gar Fünf-Minuten-Takt über die Gleise. Und es geht mehr rein, als es von draußen den Anschein hat, denn bereits die übernächste Bahn war unser! Ich hatte mich schon gefreut, dass diese nicht zum Bersten gefüllt war, aber da hatte ich mich geirrt – aus heiterem Himmel kam noch ein Schwung Fahrgäste angerannt und ich musste aufpassen, dass die junge Dame hinter mir nicht bei jeder Straßenungleichmäßigkeit mein Stativ ins Gesicht gerammt bekam, welches ich fein säuberlich in der Seitentasche meines Rucksacks, den ich ordnungsgemäß am Rücken trug, verstaut hatte, das aber dennoch ein Stück aus demselben herausragte. Unter normalen Umständen kein Problem. Von denen wir heute jedoch weit entfernt waren. Zudem war es wieder mal ’schön‘ zu beobachten, wie ‚rücksichtsvoll‘ manche Menschen miteinander umgehen, wenn es darum geht, bloß nicht mit der nächsten U-Bahn fahren zu müssen, die – wie Nelia kurz erwähnte – an diesem Tag der ‚Kölner Lichter‘ wegen, sogar Sonderfahrten machte, ich meine – es war Wochenende, HALLO? Nicht auszudenken, was bei wirklich ernstzunehmenden Ausnahmezuständen los wäre…

Ich glaube, es war ungefähr 1:30, als Nelia und ich ausstiegen und die nächtliche Stille genossen, die uns schlagartig umfing. Diese nächtliche U-Bahn-Impression hatte uns so ziemlich unsere letzten Kraftreserven gekostet. Wir waren so geschhafft, dass uns selbst die Tatsache, dass wir ja immer noch aufs Klo mussten, nicht mehr aus der Fassung brachte. Wir haben es mehr als drei Stunden ausgehalten, da kam es auf die paar Minuten auch nicht mehr an… 🙂

Fazit: Ein sowohl anstrengendes als auch schönes Erlebnis. Wobei der schöne Aspekt in Form der Komplett-Erfahrung überwiegt. Und neben dem tollen Wochenende mit Nelia durfte ich sogar noch ein Geschenk mit nach Haue nehmen: eine ‚wunderbare‘ Erkältung, von der ich auch heute noch, anderthalb Wochen nach ‚Kölner Lichter‘, zehre *lach*
Okay, zugegeben, ein bisschen bin ich selbst daran Schuld, denn am darauffolgenden Wochenende – also vergangenes – musste ich ja unbedingt den beginnenden Husten ignorieren, um mir die Edertalsperre anzusehen. Doch das ist eine andere Geschichte. Zu lesen in Kürze auf diesem Sender… 😉

PS: Medienberichten zufolge wohnten 375.000 Leutz den Kölner Lichtern bei.

~ von PeM - 21. Juli 2011.

13 Antworten to “Kölner Lichter 2011”

  1. Superschöne Fotos !!

  2. Das alles habe ich jetzt mit großem Interesse gelesen. Bei uns in Ulm war nämlich letzten Samstag Lichterserenade auf der Donau 🙂 Ich finde viele Parallelen – der Toilettenwagen, die Pizza, das lange Warten, das Platz suchen – oh ja, ich kann mitfühlen. Das Feuerwerk hast du wunderbar fotografiert. Mit meiner kleinen cam ohne Stativ war das nicht möglich, aber einen Versuch habe ich trotzdem gemacht 🙂 Gut, Ulm ist nicht so groß wie Köln, aber Menschmassen gabs trotzdem und das Gedränge an der Stadtmauer duch die engen Tore hat mir etwas Angst gemacht. Aber mir geht es wie dir, es war die Mühe Wert.
    Du hast das wunderbar beschrieben, ich bewundere dein Talent dafür.

    • Vielen Herzlichen Dank, Ute!
      Nelia verabscheut solche Menschenmassen eigentlich noch mehr als ich, aber ich dachte, wenn SIE sich dahintraut, kann es nicht so schlimm sein, und es ging tatsächlich auch. Es war zwar unheimlich voll, aber man stand zum Glück nicht so dicht gedrängt, dass man Angst bekommen musste. Im Nachhinein war es eine interessante Erfahrung, von der ich zwar nicht sicher bin, ob ich sowas wiederholen möchte, aber missen möchte ich nicht eine Sekunde! 🙂

      Wir, also mein Göttergatte, hat auch so’ne kleine Digicam, die hat in den Motivprogrammen sogar die Option ‚Feuerwerk‘! Schön für jeden Neuling, der sich darüber freut, später aber ernüchtert feststellen muss, dass man hier wohl ein klitzekleines Detail vergessen hat zu erwähnen *g*

  3. Oh wie schön! Ich hatte genau den gleichen Plan wie Du und wollte unbedingt nach Köln, um endlich mal Feuerwerk zu fotografieren, doch dann kam mir eine Geburtstageinladung dazwischen. Diese Woche ist ja mal wieder große Kirmes am Rhein in Düsseldorf und heute abend gibts auch ein Feuerwerk und ich bin wild entschlossen, diesmal die Gelegenheit wahrzunehmen. Sieht momentan leider sehr nach Regen aus, bin gespannt, ob es klappt. Und die Bilder vom Tag am Rheinufer erinnern mich so an einen schönen Nachmittag Anfang Juni, da waren wir ganz in der Nähe von deiner Position grillen 🙂

    • Vielen Dank, Ola *freu*
      Nun hat’s bei Dir ja leider nicht geklappt mit dem Feuerwerk auf der Düsseldorfer Kirmes, aber die Alternative, die Du uns auf Deiner Site anbietest, ist zumindest schon mal gelungen 😉

  4. Gelungene Fotos !

  5. Geniale Fotos! Ich mag die Herausforderung, Feuerwerke zu fotografieren auch sehr und die Kölner Lichter reizen mich schon seit ein paar Jahren. Wohn ja quasi um die Ecke – aber die Massen an Menschen die da immer rum turnen schrecken schon ab.
    Wie lange vorher wart ihr an eurem Platz?

    • Herzlichen Dank auch Dir für das Lob 🙂

      Also, wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht trügt, kamen wir gegen 16:00/16:30 in diesem Park an und haben uns dann erst mal auf der Wiese niedergelassen. So um 18:30 sind wir runter ans Wasser, von wo aus wir dann fotografieren wollten. Am längsten wurde uns die Zeit dann so ab 21:00 Uhr. Und dann ging’s gegen 22:30 los, das war das Intro, das nicht länger als 10, 15 Minuten gedauert haben mag. Wieder warten. Hauptfeuerwerk begann dann endlich sowas um 23:30 und müsste ca. 0:15 Uhr herum zu Ende gewesen sein.

  6. Na, sag ich doch: Du machst das schon, wie dieser wieder mehr als ausführliche Bericht zeigt. Haste schön zusammengefasst, diesen Tag! 🙂 Hat Spaß gemacht, und ein bissel was dazugelernt hab ich auch.

    • Danke Süße 🙂 Mir hat’s auch mit den weniger schönen Umständen total viel Spaß gemacht, war ein toller Tag und eine Erfahrung wert 🙂

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